Ausgabe 404
28. Februar bis 5. März 2008
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Dieter Wedel: „Ich führe keinen Rachefeldzug”

So richtig lustig klingt der Titel seines Dreiteilers nicht, der ab Januar 2011 im ZDF zu sehen sein soll: „Die letzten Tage von Mallorca”. Um Korruption und Spekulation geht es, sagt Regisseur Dieter Wedel. Sein Film werde das Mallorca-Bild der Deutschen nachhaltig prägen, Im MM-Gespräch erzählt er Anekdoten aus Andratx - und warum Tragödie und Komödie oft nahe beieinander liegen

Foto
VON SUSANNE PETERSEN
Mallorca - Der Stoff, aus dem sein neuestes Werk gemacht ist, verspricht Dramatik und liegt voll im Trend der Zeit: Geldgier, Korruption, Spekulation. „Auch auf Mallorca ist der Schein oft anders als das Sein”, sagt Dieter Wedel bei seinem MM-Besuch Anfang der Woche, um für seine Film-Recherchen auch die inselinternen Ein- und Ansichten der Redaktion einzuholen: „Da wird die innere Persönlichkeit schnell mal über die Größe der Immobilie definiert.” An seiner Liebe zur Insel lässt der 65-Jährige indes keinen Zweifel: Nicht umsonst habe er seit neun Jahren seinen Zweitwohnsitz in der Cala Llamp und sei mit seiner Mutter - die auch schon eine Mallorca-Liebhaberin war - bereits Anfang der 70er Jahre auf die Insel gekommen. Trotzdem: „Ich habe gesehen, wie die Insel in einem rasenden Tempo auch verloren hat. Und wie vor lauter Gier eine wunderschöne Bucht fast kaputt gegangen ist.”

Als Resident der Gemeinde Andratx wurde Dieter Wedel hautnah Zeuge des Korruptionsskandals um den früheren Bürgermeister Eugenio Hidalgo - und dem mehr als zweifelhaften Prozedere bei der Vergabe von Baugenehmigungen: „Was hätte alles verhindert werden können, wenn Herr Hidalgo nicht ganz so geschmiert worden wäre.” Auch seine gerichtliche Auseinandersetzung mit einem Bauunternehmen, das er wegen Lärmbelästigung und „Verstöße gegen verschiedene Bauvorschriften”verklagte, wird thematisiert. Eines möchte Dieter Wedel indes klarstellen: „Ich benutze meine Filme nicht für Rachefeldzüge.” Nun verdankt Dieter Wedel seinen Ruf nicht umsonst auch seinen akribisch recherchierten Gegenwartsstoffen. Auch sein Mallorca-Film wird von Insider-Wissen nur so strotzen. So weiß er so erquickliche Details zu berichten, dass „man” in Andratx schon mal Opel-Fahrer sein musste, um überhaupt irgendwie ans Ziel zu kommen: „Hidalgos Bruder war im Opel-Geschäft.” Das Einzige, worauf er noch keine Antwort gefunden hat: „Wieso wurde über die Korruption so unverhohlen gesprochen und nichts unternommen, derselbe Mensch aber, nachdem er öffentlich demontiert war, mit ähnlicher Gleichgültigkeit von allen fallen gelassen?”

Vielleicht wird sein Film ja auch diese Fragen beantworten. Fest steht für Wedel schon jetzt, dass sein Dreiteiler „das Mallorca-Bild der Deutschen über Jahre mitprägen” wird, ähnlich wie der „Ballermann 6”-Film von Tom Gerhardt Ende der 90er Jahre, der Mallorcas Image allerdings sehr geschadet habe. Auch wenn sein Mallorca-Porträt sicherlich kritisch ausfallen werde, glaubt der Regisseur fest an einen sicheren Werbeeffekt für die Insel. Dabei erinnere er nur an den erfundenen Urlaubsort „Oertzl” in seinem Film „Alle Jahre wieder” (1976) - „Ein fiktiver Name, gemixt aus St. Moritz, Igls, Pontresina und Seefeld” -, den die TV-Familie Semmeling als Ferienziel auserkoren hatte: „Die Reisebüros konnten sich damals nicht mehr retten vor Anfragen: Alle Welt wollte nach Oertzl.” Mit der Materie Urlaubsdomizil kennt sich Dieter Wedel schon deshalb gut aus, weil seine Eltern ein großes Hotel in Bad Nauheim hatten. Aber: Wie kommt man nun nach Mallorca? Und: Wie können Spanier und Deutsche miteinander auskommen, wenn die „einen um 21 Uhr anfangen zu essen, die anderen um 20 Uhr fernsehen und um 22 Uhr schlafen gehen?” In zweifellos amüsanten „Parallelgeschichten” wird sein Film auch solche Kleinkriege zeigen. Im Hintergrund jedoch immer auch die Frage, „wie man der Profitgier der Spekulanten Einhalt gebieten kann”, damit aus Mallorca kein „zweites Torremolinos” werde. Kroatien sei ja auch ganz schön: „Und billiger.” Etwas Problembewusstsein müsse schon sein, findet Dieter Wedel: „Sonst sind es die letzten Tage von Mallorca.”

Noch aber ist es nicht soweit, und das das deutsch-mallorquinische Miteinander durchaus funktionieren kann, hat der Tierfreund gerade mal wieder erfahren, als er einen Mischlingshund aus der Tötungsstation Inca rettete: „Der kleine Mallorquiner und unser deutscher Pudel vertragen sich prima.” Und einen raffinierten Plan, wie man dem Elend der Vierbeiner auf der Insel ein Ende setzen kann, hat er auch schon: „Jeder, der eine Rolle bei mir will, muss vorher ein Tier adoptieren.”

David Odonkor: „Der nächste Schritt ist die EM”

Bei der WM 2006 war David Odonkor einer der Hauptdarsteller des deutschen Sommermärchens. Bei Betis Sevilla hat es der Flügelflitzer aber noch nicht zum Stammspieler gebracht. Im Interview mit MM spricht Odonkor über seine Leidenszeit, neue Ziele und kreischende Fans

Mallorca Magazin: Wie schnell laufen Sie die 100 Meter, Herr Odonkor?
David Odonkor: Weiß ich nicht. Aber auch wenn ich es wüsste, würde ich es nicht verraten.
MM: Warum das?
Odonkor: Überleg mal, es kommen elf oder zwölf Sekunden dabei raus. Das wäre zu langsam. Darum würde ich es nicht verraten. Außerdem sind beim Fußball die ersten 30 bis 40 Meter entscheidend, nicht die ersten 100.

MM: Seit wann sind Sie wieder ganz fit?
Odonkor: Seit sechs Wochen bin ich wieder im Mannschaftstraining.
MM: Bisher saßen Sie aber fast nur auf der Bank. Die Situation ist unbefriedigend für Sie?
Odonkor Ich werde einfach weiter mein Bestes geben und dann werden wir weitersehen. Ich fühle mich gut, das Knie hält. Mal sehen, wann ich zum Einsatz komme.

MM: Sie lächeln, wenn Sie das sagen. Sehen Sie das tatsächlich so locker?
Odonkor: Natürlich bin ich frustriert und enttäuscht. Aber wass soll ich dazu sagen. Ich muss einfach das Beste daraus machen. Warum soll ich jetzt traurig sein oder im Boden versinken? Ich werde so sein wie immer: lustig. Ich lache viel und das werde ich beibehalten.

MM: Sie sind kürzlich 24 geworden. Was haben Sie sich fürs neue Lebensjahr vorgenommen?
Odonkor: Gesund zu bleiben. Alles andere kommt von alleine.
MM: Wo werden Sie im Mai dieses Jahres sein?
Odonkor: Ich will hoffen, dass ich mit der Nationalmannschaft hier auf Mallorca bin, dass ich da eine große Zeit feiere. Aber das liegt daran, ob ich spiele oder nicht. Wenn ich spiele, dann kann ich es gut schaffen. Wenn nicht, muss ich mir meine Gedanken machen.

MM: Sie haben noch Vertrag bis 2011 bei Betis...
Odonkor: Ich schau jetzt mal bis zum Sommer und dann sehen wir weiter.
MM: Sind Sie im Kontakt mit dem Bundestrainer?
Odonkor: Wir telefonieren sehr oft miteinander und sprechen darüber, wie es mir geht und ob ich spiele. Über die EM haben wir noch nicht geredet. Das ist ja noch lange hin.

MM: Wenn Sie regelmäßig telefonieren, dann bedeutet das aber schon, dass Sie zum Stamm der Nationalmannschaft gehören?
Odonkor: Ich will’s hoffen. Das liegt nur an mir selbst, ob ich meine Leistung bringe.
MM: War die WM 2006 für Sie bisher der Höhepunkt Ihrer Karriere?
Odonkor: Ja. Aber den nächsten Schritt möchte ich jetzt auch machen. Und das ist die Europameisterschaft. Wenn ich das schaffe, habe ich wieder den nächsten Höhepunkt erreicht.

MM: Auch um Sie herrschte ein enormer Rummel während der WM in Deutschland. Wie haben Sie das erlebt?
Odonkor: Ich kann damit gut umgehen. Ich will mich einfach nur auf den Fußball konzentrieren.
MM: Kreischende Mädchen stören Sie also nicht?
Odonkor: Ich finde das immer schön, wenn Fans meinen Namen rufen oder mir zukreischen. Ich liebe Kinder und es ist immer schön, wenn Jugendliche einen als Vorbild haben. Ich möchte einfach nur mein Bestes zurückgeben und das versuche ich halt.

MM: Und wenn sich dann plötzlich wildfremde Leute für Ihr Privatleben in-teressieren?
Odonkor: Das können sie ja machen. Ich weiß, was ich mit meiner Familie zu tun habe und was die anderen sagen, interessiert mich nicht.
MM: Als Sie wegen eines Verkehrsdelikts zu einer Geldstrafe verurteilt wurden, interessierten sich plötzlich alle dafür...
Odonkor: Ich bin noch jung und jeder Mensch macht mal Blödsinn. Aber man lernt aus Fehlern und dann versucht man, sie abzustellen.
MM: Wie sind Sie von den Fans bei Betis aufgenommen worden?
Odonkor: Sehr freundlich. Wie auch von der Mannschaft. Ich habe vom ersten Tag an dazugehört. Das fand ich sehr positiv.
MM: Ihr Schweizer Mitspieler Johann Vogel hat Ihnen anfangs viel geholfen...
Odonkor: Er hat mir sehr geholfen. Wir sind auch jetzt noch in Kontakt, obwohl er ja leider nicht mehr für Betis spielt. Ich muss da jetzt selbst durch. Außerdem habe ich ja jetzt Marko Babic dazubekommen, der auch Deutsch spricht. Den kenne ich noch aus der Zeit, als er in Leverkusen gespielt hat.

MM: Es spielen noch zwei weitere Deutsche in der Primera División. Haben Sie zu denen Kontakt?
Odonkor: Mit Christoph Metzelder telefoniere ich ab und zu. Mit Timo Hildebrand auch.
MM: Betis hat 6'5 Millionen Euro Ablöse für Sie an Borussia Dortmund gezahlt. Ist das ein zusätzlicher Druck gewesen?
Odonkor: Natürlich habe ich mir am Anfang Gedanken gemacht, warum Betis so viel Ablöse gezahlt hat, aber ich habe mir das aus dem Kopf geschlagen, weil ich andere Dinge zu tun habe, als mir Gedanken zu machen. Ich will einfach meine Leistung bringen und das Vertrauen so zurückzahlen.

MM: Ihr Vater ist Ghanaer. In Spaniens Stadien gehören rassistische Ausschreitungen zur Tagesordnung. Haben Sie das schon erlebt?
Odonkor: Nein. Wenn so etwas auf mich zukommen sollte, kann ich ohnehin nichts machen. Ich bleibe ganz ruhig und spiele mein Spiel weiter.
MM: Wie gut haben Sie sich eingelebt in Sevilla?
Odonkor: Ich fühle mich sehr wohl. Am Anfang hatte ich Schwierigkeiten, aber das ist jetzt vorbei. Ich habe Freunde gefunden und meine Familie ist auch sehr oft gekommen. Die Stadt ist schön, unser Haus ist schön, wir haben jeden Tag schönes Wetter. Da kann man sich nicht beklagen.

MM: Sprechen Sie Spanisch?
Odonkor: Im ersten Jahr habe ich keinen Spanischkurs gemacht. Jetzt habe ich mir Gedanken gemacht und mir vorgenommen zu lernen. Ich muss mich ja irgendwann auch mal mit der Mannschaft verstehen. Wenn ich mal mit denen weggehe, will ich mich ja auch unterhalten.

MM: Ihre Spanischkenntnisse sind also noch nicht so gut?
Odonkor: Also, perfekt sind sie nicht. Ich verstehe aber schon sehr viel.
MM: Das ist aber nicht der Grund, warum Sie im Moment nicht spielen?
Odonkor: Nein. Ob einer spielt, liegt immer an seiner Leistung. Mein Problem ist, dass ich dreieinhalb Monate verletzt war.
MM: Es heißt, Sie hätten Extraschichten eingelegt, um schnell wieder fit zu werden?
Odonkor: Ich habe mir für fast zwei Wochen einen eigenen Fitnesscoach aus Deutschland geholt. Den habe ich aus meiner Tasche bezahlt. Ich wollte einfach fit werden, auch in Hinsicht auf die Europameisterschaft. Das hat mir gut getan.

MM: Wie unterscheidet sich der spanische vom deutschen Fußball?
Odonkor: Real Madrid und der FC Barcelona spielen schon guten Fußball. In Deutschland spielen wir auch guten Fußball, aber nicht so wie in Spanien. Die Deutschen haben ja nicht die Topstars wie Ronaldinho, Messi, Eto’o. Hier wird schneller gespielt, man hat auch mehr Techniker in der Mannschaft. Das heißt ja nicht, dass die Bundesliga schlecht ist.

MM: Wo sehen Sie Ihre Stärken und Schwächen?
Odonkor: Also meine Stärken sind meine Schnelligkeit und meine Zweikampfstärke. Zu meinen Schwächen will ich nichts sagen.
MM: Dazu sagen Sie grundsätzlich nichts?
Odonkor: Nein.
MM: Aber Sie wissen schon, welches Ihre Schwächen sind?
Odonkor: Natürlich. Wenn ich das nicht wüsste, hätte ich irgendwas falsch gemacht.
Fragen: Jonas Martiny

Wein, Öl, Likör und jede Menge Nervosität

Mallorcas Tourismusverantwortliche reisen zur ITB 2008. TV-Lady Sabine Christiansen Ehrengast

VON ALEXANDER SEPASGOSARIAN
Neue Gesichter und eine Zusammenballung von Politikern und Unternehmern unter Hochdruck werden in der kommenden Woche die Präsentation der Balearen auf der Internationalen Tourismus-Börse (ITB) in Berlin prägen. Denn der wichtigste Termin der mallorquinischen Tourismusbranche in Deutschland findet in diesem Jahr unmittelbar vor den spanischen Parlamentswahlen am 9. März statt. Der Wahlausgang kann durchaus direkte Folgen auf die anstehenden Projekte wie die geplante Sanierung der Playa de Palma haben. Dabei geht es um Investitionssummen von bis zu einer Milliarde Euro. So wird es nicht verwundern, dass die Hoteliers und Unternehmer allesamt nervös zur Fachmesse (5. bis 9. März, Hallen 7.2a/7.2b) reisen, auch wenn sie sich nach außen hin wie immer gelassen und jovial zeigen.

Der Balearen-Auftritt auf der ITB 2008 wartet mit einer Reihe von Neuerungen auf: Für Tourismusminister Francesc Buils (UM) ist es das Debüt in Berlin, Gleiches gilt für die neue Direktorin des balearischen Fremdenverkehrsamtes Ibatur, Susanna Sciacovelli. Auch für den Ministerpräsidenten des Archipels, Francesc Antich (PSOE), ist es in dieser Legislaturperiode der erste Messebesuch. Sein Eintreffen wird für Donnerstag, dem „Balearen-Tag” auf der ITB, erwartet. Die Manager der deutschen Reisekonzerne wie TUI, Thomas Cook, Rewe und Alltours kennen Antich bereits aus seiner ersten Regierungszeit, als er dem links-regionalistischen „Pacte de Progrés” vorstand.

Als Ehrengast, der für die Inseln die Werbetrommeln rühren soll, haben die Balearen diesmal die TV-Talklady Sabine Christiansen eingeladen. Doch Christiansen kommt am Donnerstag nicht nur zum Lächeln. Sie wird in Berlin die Inselpolitiker für eine eigene Sendung interviewen. Und wer Christiansen kennt, weiß, dass dabei Tacheles geredet wird.

Nach dem Erfolg mit TV-Koch Tim Mälzer im Vorjahr wollen die Balearen erneut mallorquinisches Olivenöl zum Verkosten anbieten, diesmal flankiert von Cocktails der balearischen Liköre. Erstmals dabei ist auch die Bodega Macià Batle, die an einem gemeinsamen Stand mit MM ihre Inselweine ausschenken wird.

Die luxuriöse Welt von St. Regis

Mardavall unter neuer Flagge. Spezialitäten aus aller Welt für die Eröffnungs-Gäste

Mallorca - Mehr als 300 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport feierten am vergangenen Samstag die Eröffnung des St. Regis Mardavall Mallorca. Es wurde ihnen ein kulinarisches Feuerwerk geboten - und ein pyrotechnisches dazu: Abgestimmt auf die Klänge von Carl Orffs ,,Carmina Burana” stiegen bunte Raketen in den Nachthimmel an der Costa d’en Blanes.

Auf zwei Etagen konnten die Gäste in die luxuriöse Welt der St. Regis Hotels & Resorts eintauchen und die Spezialitäten der jeweiligen Destinationen genießen - von Rom über Washington bis Bora Bora. Auch der klassische St.-Regis-Drink ,,Bloody Mary” wurde in 13 verschiedenen Variationen kredenzt.

Carsten K. Rath, Vorsitzender der Geschäftsführung von Arabella International, erklärte:,,In Kombination mit der Marke St. Regis wird das Mardavall große Synergien für das gesamte Arabella Golf & Spa Resort Mallorca und wichtige Impulse aus neuen, internationalen Märkten wie den USA, Asien und dem Mittleren Osten bringen.”

1200 Russen sind schon hier

Sie kommen zum Segeln, Golfen, um luxuriöse Häuser zu kaufen, aber auch, um einfach nur zu arbeiten: Die Russen entdecken Mallorca, und nicht nur die Immobilienhändler wittern einen hochinteressanten Markt

VON ANJA MARKS
Mallorca - Der Nieselregen auf dem Golfplatz scheint sie nicht zu stören, denn die Luft ist mild und die Stimmung ausgelassen. Die 45 russchischen und baltischen Teilnehmer des „Grand Prix Mallorca Golf 2008” haben teilweise lange Strecken auf sich genommen, um an dem Turnier auf Mallorca teilzunehmen, und viele freuen sich schon über die Pusgrade auf dem Thermometer an einem Tag im Februar. Igor Zatravkine ist zum ersten Mal auf der Insel, sein Flight-Partner Arunas Kuraitis dagegen kommt schon seit vier Jahren hierher und besitzt eine Wohnung in Bendinat. „Wir lieben die Insel nicht nur wegen ihres Klimas, sondern vor allem wegen der guten Erreichbarkeit, der exzellenten Infrastruktur und der Sicherheit”, sagt der Golfplatzunternehmer aus Litauen.

Deutsche, englische oder gar spanische Teilnehmer findet man bei diesem Turnier nicht, denn eine der Voraussetzungen für die Teilnahme im Golfclub Puntiró war es, die Einladung in kyrillischer Schrift zu entziffern, so erklärt Organisator Vladimir Tigonen mit einem Augenzwinkern.

Bereits im sechsten Jahr in Folge findet das russische Golfturnier auf Mallorca statt, die ersten vier Jahre wurde es vom russischen Golfverband organisiert. „Seit 2007 veranstalte ich das Turnier hier auf der Insel, und das Interesse an der Veranstaltung steigt”, berichtet Tigonen. In diesem Jahr seien schon 13 Teilnehmer mehr als im Vorjahr gestartet, 2009 rechnen die Veranstalter mit mindestens 70 Spielern.

Der gebürtige Russe lebt seit zehn Jahren auf der Insel, kaufte sein Haus damals beim Immobilienunternehmen Minkner & Partner und arbeitet heute für das Unternehmen als Berater für den russischen Markt. Dass Minkner in diesem Jahr Hauptsponsor des Golfturniers für die russischen Gäste ist, ist Teil eines Konzepts, in das zurzeit viel Arbeit und Mühe investiert wird. „Der russische Markt ist sehr schwer zu bearbeiten, ist aber auf jeden Fall ein Markt mit Zukunft hier auf der Insel. Wir investieren zurzeit sehr viel auf diesem Gebiet”, sagt Immobilienunternehmer Lutz Minkner. „Es ist eine äußerst anspruchsvolle Klientel, die aber, ähnlich wie deutsche oder englische Kunden, in allen Preissegmenten sucht.” Es sei also keineswegs so, dass nur schwerreiche Kunden aus Russland hier auf die Insel kämen.

Akquise im oberen Einkommensbereich betrieb Minkner & Partner aber dennoch im vergangenen Jahr auf der „Millionaires Fair” 2007 in Moskau. „Wir werden auch in diesem Jahr, im März und April, wieder auf zwei Messen dort vertreten sein, unter anderem auf einer Immobilienmesse in Moskau”, erklärt Minkner.

Das Immobilienunternehmen Kühn & Partner setzt derweil auf gezielte Kooperationen und Partner vor Ort und plant konkret, am 1. Juli dieses Jahres die erste Dependance in der russischen Hauptstadt Moskau zu eröffnen. "Wir gehen bewusst nicht auf die Messen, das ist nicht unsere Zielgruppe", erklärt Bernd Katzmarcik, Geschäftsführer bei Kühn & Partner. "Es sind nicht die typischen Cote-d'Azur-Kunden, die Mallorca für sich entdecken, sondern eine anspruchsvolle, teilweise sehr gebildete Kundschaft, die die Insel in erster Linie wegen der Ruhe und der Sicherheit hier schätzt", meint Katzmarcik. "Sie wollen ihren Reichtum hier nicht protzig zur Schau stellen, sondern treten nach außen hin eher unauffällig auf." Es sei keine Flut von neuen russischen Mitbürgern, die hier über die Insel schwappe, sondern vielmehr eine eher verhaltene, kleine Gruppe, die nicht gerne direkt auftrete, schildert Werner Lietz seine Erfahrung. Der Immobilienunternehmer aus Port d'Andratx testete 2006 auf einer russischen Immobilienmesse den Markt für Mallorca und ist nicht davon überzeugt, dass das "Geschäft mit den Russen" hier viel Zukunft hat.

Dennoch scheint die Präsenz auf der Insel, wie auch in anderen Teilen Spaniens, in den vergangenen Jahren merklich gewachsen zu sein. Auf den Balearen sind 1200 russische Einwanderer gemeldet, die hier leben und arbeiten. "Hochburgen in Spanien sind nach wie vor Andalusien, Madrid oder Barcelona", sagt Ania Pali, Redakteurin der russischen Zeitung "MK España", die einmal pro Woche in Málaga für ganz Spanien gedruckt wird. "Unsere Auflage beträgt 15.000, und sie steigt von Jahr zu Jahr, was zeigt, dass unsere Landsleute weiterhin kommen." Auf Mallorca bereiten sich jedenfalls nicht nur Immobilienunternehmer auf die vielversprechende Kundengruppe vor. Banken wie die Caixa Catalun- ya in Barcelona stellt russische Mitarbeiter ein, und in Llucmajor eröffnete kürzlich eine Schule für russische Sprache und Kultur. Laut Inhaber Hendrik Lührssen haben hier bereits zahlreiche Unternehmen auf der Insel ihre Mitarbeiter angemeldet. So kann sich Golf-Turnier-Veranstalter Vladimir Tigonen vielleicht im kommenden Jahr auch über deutsche oder englische Teilnehmer freuen, die dann in der Lage sind, die russische Einladung zum Turnier zu entziffern.

Die Vogeljäger

In Mallorcas ältestem Naturpark S’Albufera leben mehr als 200 verschiedene Vogelarten. Ein Info-Zentrum informiert über Fauna und Flora des Feuchtgebiets im Norden der Insel. Der Zugang zum Park steht jedem offen

Von KARL-HEINZ EIFERLE
Mallorca - Die S´Albufera war auch im vergangenen Jahr wieder Mallorcas meistbesuchtes Naturschutzgebiet. Gut 100.000 Spaziergänger und Vogelkundler streiften durch das Schilfgebiet. 80 Prozent davon Ausländer. Die Mehrzahl aus dem deutschsprachigen Raum. Für manche von ihnen war die 1700 Hektar große Feuchtzone zwischen Port d’Alcúdia und Can Picafort sogar für das Urlaubsziel Mallorca ausschlaggebend.

Wie für das Paar aus Innsbruck, das sich in einer der Beobachtungshütten auf dem Gelände auf die Lauer gelegt hat. In zweckmäßige, unaufdringliche Outdoorkluft gehüllt, den wassergeschützten Feldstecher vor den Augen und ein noch größeres Fernrohr auf dem Stativ montiert, machen sie sich dezent auf die visuelle Jagd. Um sich beim Who’s who im Vogelreich nicht zu vertun, liegt ein buntbebilderter „Kosmos-Vogelführer“ in Reichweite, der die in der Hütte aufgehängten Informationstafeln ergänzt. 758 Arten sind darin verzeichnet, so das nicht zu übersehende Versprechen auf der unteren rechten Ecke des Buchtitels.

Das müsste dicke reichen, denn nur etwas mehr als 200 Arten fühlen sich im Jahr hier dauerhaft heimisch. Hinzu kommen noch die Zugvögel, die auf ihrer langen Reise im Dickicht des Schilfs ein Päuschen einlegen, um wieder zu Kräften zu kommen. „Wir sind extra wegen der S´Albufera auf die Insel geflogen“, so die Hobbyornithologen aus Österreich. „Um diese Jahreszeit kann man bei uns bestenfalls Skihaserln beobachten.“ Aber das interessiere sie nicht sonderlich. Auch in den Salinen beim Es Trenc treffe man hin und wieder auf interessante Arten. „Aber ungleich weniger als im S´Al-bufera-Park.“ Ein Graureiher zieht seine Bahnen gut 100 Meter entfernt. Zu weit für das Teleobjektiv des MM-Fotografen. Dafür schwimmt ein Entenpärchen in Richtung Kamera. „Na los, noch ein bisschen zu mir, du kleiner Löffler“, ermuntert der Fotoreporter fast nicht hörbar das Federvieh.

Aber die Innsbrucker scheinen nicht nur optisch auf dem aktuellen Stand der Technik zu sein. „Das ist eine Löffelente, kein Löffler“, bekommt der Fotoreporter eins hinter seine Löffel. „Dankeschön!“ Klick, klick, klick.“ Nirgendwo auf den Balearen gibt es eine größere Tiervielfalt als in der S´Al-bufera. Zwei Drittel aller auf den Inseln heimischen Vogelgattungen leben in dem Feuchtgebiet. Rund 30 Fischsorten und Hunderte Insekten-Arten, Reptilien und Nagetiere finden hier seit 20 Jahren einen sicheren Lebensraum. Seit dem 28. Januar 1988 steht die S´Al-bufera unter besonderem Schutz - Mallorcas ältester Naturpark.

Die Parkverwaltung trägt dem hohen ausländischen Besucheranteil seit geraumer Zeit Rechnung und hat auf dem Gelände mehrsprachige Informationstafeln zur Entstehungsgeschichte des Biotops und über dessen Flora und Fauna aufgestellt (auch auf Deutsch).

Ein interaktives „Interpretationszentrum“ er-möglicht, sich intensiver mit dem Park und dessen Bewohnern zu beschäftigen. Dort können sich Besitzer der grünen Umweltkarte (die auf Spanisch Tarjeta Verde genannt wird) auch kostenlos Ferngläser oder Fahrräder für den Streifzug über das Gelände leihen. Die Tarjeta Verde kann dort auch zum Preis von zehn Euro erstanden werden.

Der Eintritt zu dem täglich von 9 bis 17 Uhr geöffneten Park (ab April bis 18 Uhr) ist frei. Besucher werden lediglich zu Statistik-Zwecken gebeten, sich im Eingangsgebäude eine Besuchserlaubnis abzuholen. Dort erhält man auch Listen und Broschüren, in denen die Vogelarten mehrsprachig aufgeführt sind. Im Nebenraum wird eine sehenswerte Fotoausstellung gezeigt, die mit teilweise spektakulären Aufnahmen die Bewohner des Feuchtgebietes ins richtige Licht setzt. „Und ich bin schon froh, wenn mir so ein Löffeltier in die Kamera grinst“, nimmt sich der MM-Fotograf selbst auf die Schippe.
Die Anfahrt zum Naturpark S’Albufera ist leicht zu finden: Von Palma aus geht es über die Autobahn in Richtung Port d’Alcúdia. Dort angekommen, muss man der Umgehungsstraße folgen, die nach Artà führt. Am Ortsausgang von Port d’Alcúdia befindet sich dann eine Brücke, die nicht zu übersehen ist. 50 Meter weiter, gegenüber dem Luxushotel „Parc Natural“, kann rechter Hand geparkt werden. Der Park selbst ist nämlich nicht mit dem Auto, sondern auch zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu erreichen. Zu Fuß dauert der Spaziergang etwa 15 Minuten bis zum Kartenhäuschen. Haustiere dürfen nicht mit in das Feuchtgebiet S’Albufera genommen werden.

Alkohol - 31 Prozent Engel

Fruchtiger Erfolg: Der Orangenlikör "Angel d´Or" aus Sóller

VON ANDREA RAU
Manche Menschen können die Zukunft vorhersehen. Miguel Capó kann die Zukunft schmecken. Süß schmeckt sie, mild und sehr fruchtig - nach Orangen. Eines schönen Sommertages legte sie sich auf seine Zunge, als der Mitinhaber der Marketingfirma "Foravila Design" im Orangenhain des Firmengartens in Sóller saß. Warum nicht aus den Früchten ein leckeres Produkt kreieren, dachte er sich, fernab von Marmeladen und Eiscremes, wie sie schon aus Sóller kommen?

Und traf damit den Nagel auf den Kopf: Im März ist der liebliche Likör "Angel d'Or" zwei Jahre auf dem Markt, hat längst die Herzen namhafter Barkeeper erobert, die eigens Cocktailrezepte mit dem goldfarbenen Orangenelexier entworfen haben, und der Köche, die gerne auf das Produkt zurückgreifen, um ihren Speisen einen exquisiten, lokalpatriotischen Hauch zu verleihen. Ungewöhnlichem Erfolg gehen ungewöhnliche Maßnahmen voraus. In diesem Fall kam das Huhn vor dem Ei: Das Marketingkonzept stand bereits, da musste das Produkt noch geschaffen werden. Die Idee sei aber nicht von ungefähr gekommmen, erklärt Miguel Capó - "Foravila Design" ist auf Branding spezialisiert, erarbeitet seit 1989 Relaunches und Marktauftritte für die Konsumgüterindustrie, wobei die Spirituosenbranche eine wichtige Rolle spiele. Auch die deutsche: "Die Insel ist wegen ihrer Größe in solchen Bereichen eben sehr beschränkt", erklärt der 38-Jährige.

Und der deutsche Markt bot sich an: Zwei der vier Geschäftsführer des Unternehmens sind Deutsche. In der Vergangenheit arbeitete das Team eng mit "Behrendsen" und der Brennerei "Schwarze & Schlichte" aus Nordrhein-Westfalen zusammen. Letztere waren es auch, die gleich von Capós Likör-Idee begeistert waren. "Wir schickten unsere Orangen in ihren Firmensitz", erzählt der Mallorquiner, "so entstand nach und nach die Rezeptur." Und eine deutsch-mallorquinische Fusion wurde wahr: Die 31-prozentige Alkoholmischung kommt aus Nordrhein-Westfalen, abgefüllt wird bei der Firma "Tunel" in Marratxí, das Aroma aber ist pures Sóller. In wenigen Tagen ist hier wieder Saison: Dann werden auf der Finca "Can Posteta" und "Can Det" 8.000 Tonnen biologische Orangen geerntet. Es sind Früchte der alten Sorte "Canoneta", die wegen ihrer Saftigkeit geschätzt wird. Das Fruchtfleisch aber ist unwichtig: Das Aroma sitzt im Öl der Schale. Hauchdünn wird sie abgehobelt, schockgefroren, um in einer Destille in Barcelona weiterverarbeitet zu werden - die Früchte verschenkt die Firma an die Behindertenwerkstatt "Estel Nou", die daraus die bekannte "Fet a Sóller"-Marmelade kochen.

Interessantes Detail: Rund 70 Prozent des Liköres werden in Deutschland abgesetzt. Die Deutschen lieben Liköre: Im Zeitraum 1999 bis 2005 stieg der Umsatz in dieser Produktgruppe um rund 40 Prozent. Aber auch das ausgeklügelte Konzept des "mallorquinischen Goldengels" scheint sich auszuzahlen: Ideal für Mixgetränke und genauso etwas für den weiblichen als auch den männlichen Geschmack.

Seinen Namen verdankt der Likör übrigens einer der steinernen Engelsfiguren der Dorfkirche: "Wir wollten absichtlich kein minimalistisches Trendprodukt machen", erzählt Capó, "sondern eines, das ist, als hätte es das schon immer gegeben."

"Nationalismusfrage ist problematisch"

Walther L. Bernecker ist unangefochten der Spanien-Experte im deutschen Sprachraum. An der Balearen-Universität hielt er am Montag erstmals einen Vortrag. Es war sein zweiter Besuch auf Mallorca seit 1964. Den Politikern rät er zu mehr Föderalismus

VON ALEXANDER SEPASGOSARIAN
Wer sich je für die spanische Geschichte und Politik der Neuzeit und Gegenwart interessiert hat, ist diesem Namen begegnet: Walther L. Bernecker. Der 60-jährige Hochschulprofessor ist so etwas wie der Papst der deutschsprachigen Spanien-Forschung oder, anders ausgedrückt, der wissenschaftliche "Peter Scholl-Latour" für Spanien, Portugal und ganz Lateinamerika.

Mehr als 80 Bücher hat Walther Ludwig Bernecker seit 1977 als Autor oder Herausgeber veröffentlicht. Der Inhaber des Lehrstuhls für Auslandswissenschaften - romanischsprachige Kulturen - an der Universität Erlangen-Nürnberg schuf klassische Standardwerke, die immer wieder in aktualisierten Neuauflagen erscheinen. Dazu zählen Werke wie "Anarchismus und Bürgerkrieg. Zur Geschichte der Sozialen Revolution in Spanien 1936-1939" (erstmals erschienen 1978), "Spaniens Geschichte seit dem Bürgerkrieg" (1984), "Sozialgeschichte Spaniens im 19. und 20. Jahrhundert. Vom Ancien Régime zur parlamentarischen Monarchie" (1990), "Krieg in Spanien 1936-1939" (1991), "Spanische Geschichte. Von der Reconquista bis heute" (2002), "Spanien-Handbuch. Geschichte und Gegenwart" (2006) und vieles mehr.

Da war es nur eine Frage der Zeit, dass auch die Balearen-Universität den Spanien-Experten zu einem Gastvortrag einlud. Am vergangenen Montag war es erstmals soweit. An der Historischen Fakultät im Ramon-Llull-Gebäude referierte Walther Bernecker eine gute Stunde über den Spanischen Bürgerkrieg aus europäischer Perspektive.

Vor rund 40 Studenten und Zuhörern erklärte Bernecker, es bestehe heute unter den Wissenschaftlern weitgehend Konsens darüber, dass der Ausbruch des Bürgerkriegs in Spanien ohne jede Beteiligung des Auslandes initiiert wurde. Die an den Ereignissen in Spanien interessierten Mächte - Nazi-Deutschland, das faschistische Italien und die stalinistische Sowjetunion - griffen erst im Nachhinein ein. Erst ihre Unterstützung für die gegnerischen Seiten im Bürgerkrieg führte zur Internationalisierung der blutigen Auseinandersetzung und beeinflusste dann den Verlauf und die Folgen des Krieges. Das System der Nichtintervention, wie sie von den westlichen Demokratien Frankreich, England und den USA propagiert wurde, "war ein absolutes Debakel". Das Nicht-Vorhandensein von ernst zu nehmenden Kontrollmechanismen machte die pro forma vereinbarte Nicht-Einmischung völlig halt- und gegenstandslos. Die Haltung von England und Frankreich war dadurch nicht neutral im nicht-interventionistischen Sinne, sondern sie kam indirekt der Seite der Aufständischen um Franco zugute. "Alle genannten Staaten tragen deshalb einen bestimmten Grad an Verantwortung, was die Entwicklung Spanies während des Bürgerkrieges und nach 1939 betrifft", sagte Bernecker in perfektem Spanisch.

Die kastilische Sprache war Bernecker, Jahrgang 1947, nicht in die Wiege gelegt worden. Allerdings hatte der gebürtige Dollnsteiner aus dem bayerischen Altmühltal es nicht allzu weit nach Spanien. Bereits im Alter von sieben Jahren gelangte er mit seinen Eltern, einem deutschen Lehrerehepaar, nach San Sebastián, wo sein Vater die Deutsche Schule leitete. So verbrachte Walther Bernecker seine gesamte Schulzeit in Spanien, bevor er dann zum Studium nach Deutschland zurückkehrte.

In jene Jahre fällt auch der einzige Mallorca-Besuch Berneckers, 1964, noch als Abiturient. "Das war der erste Flug meines Lebens - unvergesslich!" In Palma bezog er mit einem Klassenkameraden eine Pension in der Innenstadt. "Das Zentrum hat sich nicht so dramatisch verändert", findet Bernecker nach seinem jetzigen Besuch in Palma.

Wie beurteilt der Spanien-Experte die aktuellen politischen Entwicklungen? Das TV-Duell zwischen den Präsidentschaftskandidaten Zapatero/Rajoy hatte er sich nicht entgehen lassen. "Zapatero hatte es in den vergangenen Jahren viel schwerer als alle seine Vorgänger, weil er auf eine sehr rabiate Opposition traf." Dennoch habe er eine Reihe gesellschaftspolitischer Reformen eingeleitet, "die Spanien deutlich modernisiert haben".

Als "problematisch" sieht Bernecker die Nationalismusfrage in Spanien. "Da hat aber keine der großen Parteien eine Lösung parat." Droht Spanien dadurch ein Zerfall wie in Jugoslawien? Bernecker schüttelt skeptisch den Kopf. Noch deuteten alle Umfragen darauf hin, dass die Kräfte, die bei Spanien bleiben wollen, die Mehrheit bildeten. "Die Separatisten sind zwar lautstark, aber nicht die Mehrheit." Notwendig sei eine geschickte Politik in Richtung Föderalismus. Der Senat müsste eine Rolle wie der deutsche Bundesrat ausüben. Und den Autonomen Regionen sollte in Sachen Steuereinnahmen ein größerer, direkter Anteil eingeräumt werden zur Verwaltung der Ausgaben. Durch solche Schritte würde die Attraktivität einer Unabhängigkeit sinken. "Die Leute würden sich dann fragen: ,Was bringt uns die Unabhängigkeit?'" Ist Spanien mit dem föderalistischen Deutschland überhaupt vergleichbar? Hier gibt es immerhin mehrere Regionalsprachen. "Warum denn nicht?", kontert Bernecker. Im EU-Parlament gebe es 27 Sprachen, und es funktioniere. "Oder nehmen Sie die Schweizer. Die verstehen sich auch nicht. Und halten doch zusammen."

20 Jahre an der Playa: Ein Leben für die Party

Helmut Schafzahl ist das Urgestein aus dem ,,Oberbayern". Etwas anderes als mitsingbare Stimmungslieder wollen die Fans von ihm nicht hören

VON NILS MÜLLER
Mallorca - Wohl jeder Deutsche auf Mallorca hat diesen Mann schon mal irgendwie wahr-genommen. Sei es auf Plakaten an der Playa de Palma, im deutschen Fernsehen oder direkt dort, wo er bekannt wurde: im berühmt-berüchtigten Party-Tempel "Oberbayern". Dort sorgt "Helmut aus Mallorca", wie er sich selber nennt, für Stimmung. Und das schon ganz, ganz lange. "Am 22. Juli 2008 bin ich auf den Tag genau 20 Jahre im Oberbayern", erzählt Helmut, der mit bürgerlichem Nachnamen Schafzahl heißt.

Der Österreicher aus der Steiermark hatte wesentlichen Anteil daran, dass sein Arbeitsplatz zum Kult wurde bei denjenigen, die zum Feiern nach Mallorca kommen. Allerdings machte sich der Musiker, der schon als Jugendlicher auf der Bühne Geld verdiente, weniger mit seinem eigentlichen Beruf einen Namen, sondern eher als Stimmungsmacher. So wollten ihn auch in den 90er Jahren die deutschen TV-Teams sehen, die die Playa de Palma in Scharen heimsuchten. "Ich wurde im Fernsehen gar nicht als Musiker gezeigt, sondern nur als Animateur, der die Leute auszieht. Angekotzt hat mich das!"

Hintergrund: Bei Helmut gab es regelmäßig Fleischbeschau. Er moderierte die Miss- und Mister-Wahlen, bei denen der alkoholbedingte Verlust jeglicher Hemmschwellen dafür sorgte, dass die Kandidaten nackig auf der Bühne standen. Diese Wahlen gibt es auch heute noch, sie sind aber inzwischen ein alter Hut.

Helmut Schafzahl feierte am 16. Februar seinen 61. Geburtstag. Aufgewachsen ist er in der Nähe von Graz, lernte Dreher. Diesen Beruf übte er aber nicht lange aus. Musik war sein Leben und mit der Musik wollte er das Geld verdienen. Aber mit was für einer Musik: Stimmungslieder, Par-ty-Mucke, am besten noch etwas zum Mitgrölen. Nervt es nicht manchal, total auf diese Schiene festgelegt zu sein? "Leider Got-tes. Aber meine Plattform ist nun mal diese Stim-mungsmusik. Wenn die Leute zu den Auftritten kommen, dann haben sie überhaupt kein Interesse zuzuhören, wenn man mal auch etwas anderes singt." Im Winter tritt Helmut, der mit Frau Maggie und Sohn Helmut junior (wird im Mai 18) seit einigen Jahren fest an der Playa de Palma lebt, auch regelmäßig im "Bierkönig" auf - und natürlich in den öster-reichischen Skigebieten bei Apres-Ski-Veranstaltungen. Die Musik ist identisch, Helmuts aktueller Song heißt "Wedeln". "Skifahrer wissen, was das ist. Hin- und herrutschen auf der Piste", grinst der Musiker. Seiner Plattenfirma hat er gerade einen anderen Song eingereicht, einen Schlager im aktuellen Sound, der im eigenen Studio entstanden ist. Ob man sowas aber von "Helmut aus Mallorca" wirklich hö-ren will? "Vielleicht werde ich das ja gar nicht singen. Wenn die Plattenfirma sagt, das Lied ist gut, aber für einen anderen Sänger, dann bin ich halt der Produzent." Mallorca ist für Helmut in den vergangenen 20 Jahren sein Zuhause geworden. Dass er irgendwann zurückgeht in die Steiermark, ist unwahrscheinlich. "Da kenne ich ja kaum noch jemanden, außer meiner Mutter und meiner Schwester." Also wird man den fitten Österreicher (spielt Tennis, fährt kürzere Strecken immer mit dem Fahrrad) auch künftig im "Oberbayern" antreffen. Dort trat er früher mit seiner Band, den Dominos, auf, und später als Solo-Künstler. Im vergangenen Jahr konnte man ihn als Sänger, Moderator und auch schon mal hinter dem DJ-Pult erleben - die Kultfigur der Diskothek war einfach da, zur Freude der Fans.

In 20 Jahren auf der Par-tymeile hat Helmut Schaf-zahl viele Veränderungen erlebt. Zwei Einschnitte empfand er als besonders gravierend: "Früher gab es immer und überall Musik, 24 Stunden lang. Dann kam das Musikverbot im Freien nach Mitternacht. Das hat voll reingehauen, ich wurde immer wieder von wütenden Urlaubern angesprochen." Und dann war da noch die Einführung des Euros. "Der Deutsche hat doch gar nicht darauf geachtet, was 1000 Peseten sind. Als der Euro kam, haben sie sich jeden Cent Wechselgeld zurückgeben lassen. Jetzt weiß ich, was der Kaffee kostet, hieß es. Vorher haben sie das nicht gewusst."

„Touristenbusse wollen wir nicht”

In Deià ticken die Uhren langsamer als in vielen anderen Gemeinden. Trotz hohem Ausländeranteil hat sich das idyllische Bergdorf einen Teil mallorquinischer Ursprünglichkeit bewahrt

VON ANJA MARKS
Je dichter man an der Kirche auf dem kleinen Berg wohnt, so erzählt man sich bis heute in Deià, desto vornehmer die Familie. Bis heute leben Generationen desselben Clans in den Häusern hoch über dem Ortskern, andere wiederum verkauften auch an Fremde, denn das Geld, dass sie brachten, wussten die Menschen hier schon früh zu schätzen. Vor allen den Engländern hatte es das Bergdorf angetan. Heute ist Deià die Gemeinde mit dem höchsten Ausländeranteil auf der Insel, er beträgt 37 Prozent.

Einer der ersten und bis heute berühmtesten „Ein-wanderer“ war der bri- tische Schriftsteller Robert Graves. Der weltberühmte Verfasser von „Ich, Claudius, Kaiser und Gott“ ließ sich bereits 1927 hier nieder und fand auf dem kleinen Friedhof oberhalb des Ortes seine letzte Ruhe. Senk-recht, wie man sich hier erzählt, aus Platzgründen, was zumindest die winzigen Grabtafeln erklären würde. Wer im Tod nicht stehen will, darf nicht in Deià sterben, heißt es.

Keine andere Gemeinde der Insel hat so viele künstlerisch veranlagte Europäer und Amerikaner angezogen, und trotzdem ist sie bis heute die fünftkleinste Gemeinde der Insel. Namen wie Aaïs Nin, Ava Gardner, Alec Guinness, Peter Ustinov, Gabriel García Márquez, Kingsley Amis, Allan Sillitoe oder Anthony Burgess, sie alle kamen hierher auf der Suche nach Ruhe und Erholung, in eines der abgelegensten Bergdöfer Mallorcas.

Heute trifft man Andrew Lloyd Webber, Richard Branson oder Bob Geldof im Café, die in Deià Häuser mieten, denn die Ruhe hat sich, ganz im Gegensatz zum Nachbardorf Valldemossa, hier gehalten. „Durch unsere Infrastruktur, die engen Gassen und steilen Wege, ist uns der Ansturm der Touristenbusse zum Glück erspart geblieben“, sagt Bürgermeister Jaume Crespí. Sein zweiter Nachname ist Deià, enger kann man mit einem Ort wohl nicht verwurzelt sein. Ein leichter Ton von Konkurrenzkampf schwingt mit, wenn er über die Nachbargemeinde Vall-demossa redet. „Die werden im Sommer von Touristenströmen überschwemmt, das Straßenbild rund um die Kartause ist geprägt von Souvenirläden und Restaurants mit bebilderten Speisekarten, so etwas wäre in unserem Dorf undenkbar“, sagt Crespí. Das wollen die Leute hier nicht, deshalb gibt es bis heute keine Parkplätze für vollbesetzte Busse im Ort. Ein Segen, sagen viele, aber es gibt im Sommer auch nur eine einzige Bar, in der man sich zu Copas und Musik nach dem Essen trifft. Die Terrasse des „Sa Fonda“ quillt an Sommerabenden über vor Gästen. Wer nicht dorthin geht, muss auf Sóller oder sogar Palma ausweichen, denn in der näheren Umgebung ist laut Bürgermeister Ödland, was das Nachtleben betrifft. Warum nicht jemand auf die Idee kommt, eine zweite Bar für laue Nächte zu eröffnen, weiß auch Crespí nicht so genau.

Mit 26 Jahren wurde er Mallorcas jüngster Bürgermeister. Heute ist er 31, und seine Erfahrung im Dienst der Gemeinde nutzt er nach eigenen Angaben vor allem für die kleinen bürokrati-schen Dinge des Alltags. „Es macht mir Spaß, die kleinen Probleme des täglichen Lebens zu lösen, den Menschen hier, die ich teilweise seit meiner Geburt kenne, die Tücken des Alltags zu erleichtern“, beschreibt er seine Arbeit in der Gemeinde. Dass es hier auch größere Probleme gibt, wie zum Beispiel der jahrelangen Rechtsstreit um den Abriss der Villen in Llucalcari, scheint ihn nicht sonderlich zu beunruhigen. Auf die Frage, ob es drei Jahre nach dem Urteil, die Häuser abzureißen, irgend-eine Aktion von Seiten der Gemeinde gebe, schüttelt Crespí den Kopf. Nein, dass sei eine Sache, die sich noch hinziehen könne, zurzeit werde gerade mit der neuen Regierung über mögliche Entschädigungszahlungen gesprochen. Von Strafzah-lungen gegen die Gemeinde wegen unterlassener Urteilsvollstreckung weiß er nichts. „Das sind Medienberichte, die ehemalige GOB-Mitarbeiter lancieren, die sich ärgern, dass nichts passiert.“ Es sei alles in allem ein schwieriges Thema. „Wir brauchen auf jeden Fall Unterstützung aus Palma, denn allein kann unsere Gemeinde die Kosten für Abriss und Entschädigung nicht aufbringen.“ Die Lage der Hausbesitzer ist für Crespí kein wichtiges Tagesthema. „Sie wissen, dass die Häuser abgerissen werden, das können wir auch nicht rückgängig machen.“ An den Hängen rund ums Dorf entstehen derweil neue Millionenvillen. „In den letzten Jahren sind viele vermögende Leute in unsere Gemeinde gezogen“, sagt Jaume Crespí. Auch viele alte Häuser seien renoviert worden, Baukräne zeugen von geschäftiger Tätigkeit auf diesem Sektor. Doch die Villen stören das idyllische Dorfbild nicht, sie liegen gut versteckt hinter großen Bäumen. Auch das Hotel Residencia erhielt, fast unbemerkt von der Öffentlichkeit, einen neuen Suiten-Anbau, der zur Sommersaison endlich eingeweiht werden soll.

Unten im Dorf hat sich trotzdem so gut wie nichts verändert. Die Bäckerei Forn Deià hat wenig Konkurrenz, einige kleine Geschäfte und auffallend viele Makler sieht man im Ort. Wer hier nicht wohnt, kommt zum Wandern oder zum Schlemmen. Denn auch das hat Deià: Eines der wenigen Sternerestaurants der Insel. Zu Josef Sauerschell ins „Es Racó d’es Teix“ kommt man auch trotz Parkplatznot.

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Mallorca, die Trauminsel, im Mittelmeer. Wer sie einmal besucht und das Glück hat, einige ihrer Schätze zu entdecken, kehrt immer wieder hierher zurück. Zahlreiche Liebhaber der Insel entscheiden sich, für immer zu bleiben. Doch was passiert, wenn der Partner, mit dem man den Schritt nach Mallorca unternommen hat, plötzlich nicht mehr da ist? Wie fühlen sich Singles auf Mallorca? Wie finde ich einen Partner, der zu mir passt?

Heute ist das Internet, nach Freundeskreis und Arbeitsplatz, der beliebteste Ort für die Partnersuche. Die Zahl der Menschen, die einen Partner übers Internet suchen, ist in den letzten Jahren stetig gestiegen und die Online-Partnersuche ist zur echten Alternative geworden. Denn: Im Netz kann man ganz gezielt suchen: Ob Alter, Größe oder Bildungsniveau – man kann seine Vorstellungen genau formulieren. Zudem ist man sicher, dass das Gegenüber auch wirklich eine Beziehung sucht. Ein weiterer Vorteil: Online-Partnervermittlungen sind von überall und zu jeder Zeit erreichbar, auch auf Mallorca.

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